Gitarrengott's Weblog

Gegen Alltag und Wahnsinn gleichermaßen

Archiv für Juli 2009

Der Kochwahnsinn

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Es gibt ja einige Kochsendungen im deutschen Fernsehen, und das ist nicht schlecht. Das Kochen ist an sich eine mehr als ehrenwerte Tätigkeit, denn wo wären wir alle, ohne das für und gekocht worden wäre? Wir würden alle aussehen, wie die bedauernswerten Unterschichtkinder, die mit Aufschnittwurst, Toastbrot und Nutella zu monumentalen Speckmonstren herangezüchtet werden. Gut, bei meiner Oma – sie ruhe in Frieden – gab es auch immer das Fett aus der Schnitzelpfanne über die Kartoffeln, und man mag einwenden, gitarrengott – du bist doch selber dick. Gut, kann sein, aber das war die Nachkriegszeit und zumindest selbst zubereitet. Und das ist ein gewaltger Unterschied. Das Fett, das meine Oma mit dem Esslöffel großzügig auf Kartoffeln und Kohlrabi verteilt hat, war flüssige Liebe.

Und heute? Es zerfällt Deutschland in zwei Lager: In einem wird gar nicht mehr gekocht, im anderen nur noch hinzugegeben. Denn Hinzugeben, das ist das wichtigste am Kochen, wenn man den Leuten glaubt, die diese Tätigkeit aus dem Fernsehen erlernt haben. Sie kochen nicht, um etwas leckeres zu Essen zu haben. Sie kochen, um sich zu bewähren.

Sie kaufen sich Teller, die größer sind als Radkappen, um darauf mittig ein elendes Häufchen selbstgedrechselter Pasta zu verstecken, mit einem kleinen, beinahe um Verzeihung für sein Dasein bittenden Klecks Soße – erlesenste Zutaten freilich vorausgesetzt.

Sie folgen jedem Trend, den der Schubeck und der Lafer im Fernsehen auch gut finden. Mal schneiden sie Knoblauch, mal drücken sie ihn, dann nehmen sie schwarzen Pfeffer, dann rosa Beeren. Am Nachtisch toben sie sich mit Tonkabohnen und Chili aus, und, ganz wichtig: De ganzen Kram wieder auf einem zu großen Teller unterbringen und mit willenlos bis orgiastisch auf selbigen getropftem und mit einem Zahnholz verziehrten Karamelpraps und eingedicktem Essig anrichten. Nie vergessen dürfen sie Rosmarin: Das Trendkraut überhaupt (oder gibt es schon was besseres?).  Das ölige Mittelmeerkraut, das in südlichen Regionen beinahe überall unkrautig die Gegend durch seinen penetranten Geruch verunziehrt – es muss in jedes Gericht. Was einmal ein gutes Vanilleeis hätte werden können, hält ohne Vorwahrnung oft ein übles Rosmarinaroma bereit, und ein Blick in das Gesicht des Gastgebers verrät: Das soll tatsächlich so sein. Und er will auch noch dafür gelobt werden. Unfassbar, ist aber so.

Der Blenderkoch, der das Kochen beim Fernsehen gelernt hat, kann nicht ohne Lob. Er kann auch nicht ohne Competition. Es ist auch kein Zufall, das auch im TV die Kochwettbewerbe mittlerweile zahlreicher sind, als die Sendungen, bei denen man am Ende noch kochen lernen könnte. Hier rückkoppelt die Fernsehwelt mit der Realität.

Er kann auch nicht wirklich kochen. Ich habe höchsten Respekt vor Menschen, die nach 8 Bier noch Freunde mit nach Hause nehmen und dort aus einem zusammenhanglosen Kühlschrankinhalt noch etwas wohlschmeckendes Zaubern können. Der TV-Kochlehrling läuft ohne frischen weißen Trüffel Amok. Er kann kein Omelette braten, ohne einen seltenen italienischen Käse darüber zu reiben. Er will und kann sich nicht auf das Niveau von Typen herunter lassen, die den Unterschied zwischen Roquefort und Gorgonzola nicht kennen. Er hat den Unterschied im Fernsehen gesehen – wer für so etwas keinen Nerv hat, ist für ihn ein kulinarischer Verbrecher. Und gehört auch so behandelt.

Nee, im Ernst, rüstet ab! Kupferpfannen zu Mikrowellen!

Geschrieben von gitarrengott

27. Juli 2009 um 11:38

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Die neue Dredg…

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… ist gut geworden. Nach dem ersten Hören war ich mir nicht sicher: Vielleicht zu flach, zu süß, zu poppig? Zu viel zu verträgliche Melancholie? Klappt das noch?

Ja, wirklich, nach dem ersten Mal bleiben einem die zuckrigen Passagen zu sehr im Ohr hängen, es fallen einem die paar Füllstücke auf, die bei 18 Liedern beinhahe unvermeidlich sind – und erst beim zweiten oder dritten mal merkt man, wie vertrackt die Songs doch sind, wie sperrig und verschroben manche Ideen wieder sind, und wie prachtvoll sich die Genialität der Jungs in Kleinigkeiten niederschlägt. Es sind manchmal 3 oder 4 Töne, ein ganz kurzes Riff, und man sitzt vor den Lautsprechern und ist einfach nur gebannt. Die letzten 4 Songs schießen dann weit über das Ziel hinaus, und wenn andere Bands es schaffen, auf 10 Platten nur einen so guten Track zu platzieren, könnte man ihnen schon gratulieren.

Im Ernst: Kauft Euch die neue Dredg, legt sie in den CD-Spieler oder den MP3-Player, und hört sie , bis sie kommt. Und sie kommt gewaltig. Genial.

Geschrieben von gitarrengott

24. Juli 2009 um 10:12

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Die Auguren von heute

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In der römischen Antike deuteten die Auguren aus den Zeichen der Natur die Zukunft – eine Profession, die heute meist unbewusst von Kulturwisseschaftlern und Soziologen ausgeübt wird, die glauben, alles verstanden zu haben. So wie der Noam, der früher mal Linguist war, und darin sogar recht erfolgreich, und heute bevorzugt Blödsinn erzählt

Dazu passt auch, was ich vor einiger Zeit an anderer Stelle über eine denkwürdige Ausgabe westart am Sonntag schrob:

„http://www.wdr.de/tv/west-art/sendung/index_so.phtml 
Hat das zufällig jemand gesehen? 
War ein Fest für alle Sinne. Eingeladen war eine bekopftuchte Rechtsanwältin, ein kuttetragender Bruder, einer, der die meiste Zeit in der Ecke saß und schwieg, eine schriftstellernde Ex-Muslimin und eine unerträglich schwafelnde Kulturwissenschaftlerin – letztere mein Favorit für den Preis „Dummschwätzerin des Jahres“, zumindest bisher; Angst und Bange wird es einem, wenn man bedenkt, dass es diese Labertasche geschafft hat, ein 500 Seiten schweres Machwerk zum Thema Kopftuch zu verfassen, indem rauskommt, dass es ja alles gar nicht so schlimm ist und eigentlich Frauen, die Bikini tragen dürfen viel schlechter dran sind als solche, die Bhurqa tragen müssen. Fantastisch für die gute Frau, dass Sie es geschafft hat, für ihr zusammenhangloses Zeichensehen den Titel „Wissenschaftlerin“ verliehen bekommen zu haben, die Analogie in den Rang eines logischen Schlusses befördert zu haben und trotz der Unfähigkeit, einen Unterschied zu sehen zwischen etwaiger gesellschaftlicher Benachteiligung bei Tragen eines Kopftuches in Deutschland und Peitschenhieben bei Nichttragen der Verhüllung in Saudi-Arabien zu begreifen, ernstgenommen zu werden: Respekt! 
Die einzige anwesende Nichtreligiöse hatte es leicht, bei dieser Verteilung von Gästen wie eine Fanatikerin zu wirken, und die ihr gegenüber sitzende Fr. Aydin hielt es nicht für nötig, die vom Glauben abgefallene ausreden zu lassen oder argumentativ ernst zu nehmen – verräterisch manchmal der Unterschied zwischen Gesagtem und Handlung… Nicht beantworten kann die Anwältin, warum sie selbst Kopftuch trägt – ihre Haare will sie den Männern nicht zeigen, das muss als Begründung genügen. Als der eher harmlose Moderator meint, Männer seien nicht triebgesteuerte Verrückte, ist Aufbrausung angesagt: Sei ja auch nicht so, aber warum sie es denn trage, ja, eben weil sie ihre Haare nicht zeigen wolle, und überhaupt sei das mit dem Kopftuch doch gar nicht so wichtig, sondern werde immer nur wichtig gemacht, blablablubb. Warum sie den Lappen trägt, wenn er nur wichtig gemacht ist, und ob sie ihre Haare vielleicht mal zeigen sollte (evtl. kann ein guter Friseur Wunder wirken): leider bleibt weder der Moderator noch sonst jemand aus der rundherum schlecht, weil zu kuschelig besetzten Runde dran. Die freiwerdende Zeit wird vom Pater genutzt, um zu polemisieren, was nicht weiter interessant wäre, spräche nicht aus seinen Äusserungen das genau andersherum gewendete Ressentiment des Soldaten Gottes gegen die Ungläubigen – auf dieser Basis kann natürlich keine wirkliche Kritik stattfinden. 
Die Kulturprophetin weiht uns dieweil tiefer in ihr esoterisches System, indem es nur Symbole gibt und hinter diesen keine Realität, ein. Köstlich, wie man gleichzeitig aufklärend und feministisch sein will, aber nur reaktionäre Scheiße dabei rauskommt.“

Geschrieben von gitarrengott

18. Juli 2009 um 10:50

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Antisemitismus treibt Blüten

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Und man steht daneben und kann wegen dieses Unsinns nur noch den Kopf schütteln. Wenn man mal so weit ist, sich die Realität nach der Ideologie zurecht zu biegen, wird es mit dem diskutieren sehr, sehr schwer. Ich entsichere dann mal lieber meine Browning.

tw_24 kann ich sowieso nur zur Lektüre empfehlen – weswegen es ab heute auch in meiner blogroll zu finden ist.

Geschrieben von gitarrengott

16. Juli 2009 um 7:29

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Monumentum

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es für meinen Opa ein Höhepunkt der Fernsehunterhaltung war, wenn eine Debatte des Bundestages übertragen wurde: Aus Bonn, der Saal beinahe zum Bersten vollbesetzt, warfen sich dort Politiker, die noch etwas von ihrem Handwerk verstanden, die Argumente um die Ohren und gerne auch mal Schimpfwörter an den Kopf. Ich war zwar anfangs zu klein, um mir die Faszination des Gesehenen zu erschließen, aber mir war klar: Politik ist eine ernsthafte Sache. 

Heute würde es mir sicher schwer fallen, einem jungen Menschen auf diese einfache Weise etwas beizubringen – vermutlich würde ich gefragt, warum denn, wenn das so wichtig sei, was dort passiert, nur etwa 13 Leute sitzen.

Warum die niedrige Debattenbereitschaft der heutigen „Parlamentarier“ ein Problem ist? Antwort hier!

Geschrieben von gitarrengott

5. Juli 2009 um 3:04

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Moderater Hardliner

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Ein kurzes Video von Honest Reporting, das zu erklären versucht, wie im Nahostkonflikt noch hinter jedem Adjektiv eine gut gepflegte Lüge stecken kann.

Deutsche Übersetzungen von HR-Beiträgen und einiges mehr findet man übrigens hier.

Geschrieben von gitarrengott

1. Juli 2009 um 9:28

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