Gitarrengott's Weblog

Gegen Alltag und Wahnsinn gleichermaßen

Wert und Preis

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Dass der moderne Mensch von nichts mehr den Wet kennt, und von allem nur noch den Preis, ist ein häufig und gern zitiertes Bonmot: Aber, ich verwende dieses Zitat nur ironisch. Der Begriff Wert ist einer, der der bürgerlichen Gesellschaft per se fremd ist.

Was meint man mit Wert, wenn man ihn in ökonomischen Zusammenhängen verwendet? Es ist ein Begriff, der in die vorindustrielloe Zeit gehört – in eine Zeit vor Arbeitsteilung und Maschineneinsatz. Der Schreiner, der in wochenlanger Arbeit mit viel Schweiss und Mühe einen Schrank erschafft, bemisst diesem deswegen einen gewissen Wert, den er dann auch dem Käufer auferlegt – dieser Begriff des Wertes taucht auch später und eminer Meinung nach an falscher Stelle wieder in der marxistischen Ökonomie (die trotz dieses Fehlers vieles richtig erkennt) und eben in der Wertkritik auf.

In der industriellen Produktion ist die Herstellung eines Gegenstands nicht mehr der Arbeit und Mühe unterworfen, sondern dem Kalkül: Der Moment, in dem der Schreiner seinen Blick darauf lenkt, wie er den Schrank nicht schöner, sonder schneller, nicht unter Verfeinerung seiner eigenen Kunstfertigkeit, sondern unter Verfeinerung der Methoden, seiner Schule herstellen kann, ist die Geburt des Kapitalismus. Durch diese Verfeinerung der Methoden, der planmäßigen Herstellung, der Fokusierung auf das Interesse des Herstellenden, der in möglichst wenig Zeit ein gutes Produkt für einen möglichst großen Käuferkreis mit hohem Gewinn herstellen will. Es geht also nicht mehr um den Wert: 

Ein Maler, der ein halbes Jahr an der Fertigung eines Bildes arbeitet, gibt ihm einen Wert. Aber dieser Wert gilt nur ihm, dem Käufer des Bildes ist er bereits uneigen, so wie einem Vater das Kind, von dem er weiß, dass es nicht sein eigenens ist, nur noch vermitteltes Vaterglück bereiten kann; weil er weiß, das er selbst nicht imstande ist, ein Kind zu zeugen oder ein Bild zu malen, schmückt er sich mit der Frucht des anderen, er nimmt den vermittelten Wert und empfindet dabei den Abglanz des Stolzes, der den erfüllte, der es geschaffen hat.

In der industriellen Welt ist alles anders – es steht hinter dem Flachbildfernseher kein vermittelter Wert mehr, sondern ein vermittelter Preis: Für den Einsatz der eigenen Arbeitskraft erhält der Käufer ein Produkt, indem Arbeitskraft anderer steckt, aber nicht der ursprüngliche Wert, die Ware hat ihren originären und persönlichen Charakter verloren und erhält dafür einen Nutzen und einen Preis, und darin, dass dieser Preis um die Summe des Kapitaleinsatzes und des Mehrwerts höher ist, als der, den  man selbst für die eigene Arbeit erhält, liegt der Betrug der kapitalistischen Gesellschaft. Der Arbeiter hat die Fähigkeit verloren, den Wert seiner Arbeit zu bestimmen, seine Arbeitskraft und er selbst sind ein Teil des Kalküls geworden. Dieses Kalkül hat die Menschheit reich gemacht, und dafür sollte man dankbar sein.

Geschrieben von gitarrengott

25. Mai 2009 um 10:05

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