Gitarrengott's Weblog

Gegen Alltag und Wahnsinn gleichermaßen

Archiv für Mai 2009

Wert und Preis

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Dass der moderne Mensch von nichts mehr den Wet kennt, und von allem nur noch den Preis, ist ein häufig und gern zitiertes Bonmot: Aber, ich verwende dieses Zitat nur ironisch. Der Begriff Wert ist einer, der der bürgerlichen Gesellschaft per se fremd ist.

Was meint man mit Wert, wenn man ihn in ökonomischen Zusammenhängen verwendet? Es ist ein Begriff, der in die vorindustrielloe Zeit gehört – in eine Zeit vor Arbeitsteilung und Maschineneinsatz. Der Schreiner, der in wochenlanger Arbeit mit viel Schweiss und Mühe einen Schrank erschafft, bemisst diesem deswegen einen gewissen Wert, den er dann auch dem Käufer auferlegt – dieser Begriff des Wertes taucht auch später und eminer Meinung nach an falscher Stelle wieder in der marxistischen Ökonomie (die trotz dieses Fehlers vieles richtig erkennt) und eben in der Wertkritik auf.

In der industriellen Produktion ist die Herstellung eines Gegenstands nicht mehr der Arbeit und Mühe unterworfen, sondern dem Kalkül: Der Moment, in dem der Schreiner seinen Blick darauf lenkt, wie er den Schrank nicht schöner, sonder schneller, nicht unter Verfeinerung seiner eigenen Kunstfertigkeit, sondern unter Verfeinerung der Methoden, seiner Schule herstellen kann, ist die Geburt des Kapitalismus. Durch diese Verfeinerung der Methoden, der planmäßigen Herstellung, der Fokusierung auf das Interesse des Herstellenden, der in möglichst wenig Zeit ein gutes Produkt für einen möglichst großen Käuferkreis mit hohem Gewinn herstellen will. Es geht also nicht mehr um den Wert: 

Ein Maler, der ein halbes Jahr an der Fertigung eines Bildes arbeitet, gibt ihm einen Wert. Aber dieser Wert gilt nur ihm, dem Käufer des Bildes ist er bereits uneigen, so wie einem Vater das Kind, von dem er weiß, dass es nicht sein eigenens ist, nur noch vermitteltes Vaterglück bereiten kann; weil er weiß, das er selbst nicht imstande ist, ein Kind zu zeugen oder ein Bild zu malen, schmückt er sich mit der Frucht des anderen, er nimmt den vermittelten Wert und empfindet dabei den Abglanz des Stolzes, der den erfüllte, der es geschaffen hat.

In der industriellen Welt ist alles anders – es steht hinter dem Flachbildfernseher kein vermittelter Wert mehr, sondern ein vermittelter Preis: Für den Einsatz der eigenen Arbeitskraft erhält der Käufer ein Produkt, indem Arbeitskraft anderer steckt, aber nicht der ursprüngliche Wert, die Ware hat ihren originären und persönlichen Charakter verloren und erhält dafür einen Nutzen und einen Preis, und darin, dass dieser Preis um die Summe des Kapitaleinsatzes und des Mehrwerts höher ist, als der, den  man selbst für die eigene Arbeit erhält, liegt der Betrug der kapitalistischen Gesellschaft. Der Arbeiter hat die Fähigkeit verloren, den Wert seiner Arbeit zu bestimmen, seine Arbeitskraft und er selbst sind ein Teil des Kalküls geworden. Dieses Kalkül hat die Menschheit reich gemacht, und dafür sollte man dankbar sein.

Geschrieben von gitarrengott

25. Mai 2009 um 10:05

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Ich habe mich geirrt…

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Die Süddeutsche ist doch ziemlich schlecht. Nachdem man erst einen furchtbar dämlichen Artikel über einen iranischen Präsidentschaftskandidaten gebracht hat, der wegen Terroranschlägen im Ausland gesucht wird, und trotzdem als Konservativer, sprich also dem Äquivalent zu Angela Merkel durchzugehen vermag, jetzt dies. Bar jeden Sachverstands und weit weg vom gesunden Menschenverstand, geschweige denn einem Sinn für Realität, dessen Verlust geradezu eine Voraussetzung für eine Karriere bei der SZ erscheint. Ich will mich an diesem extrem schlechten Artikel nicht lange aufhalten – aber: in welcher wirtschaftlichen Hochphase sind zuletzt in Deutschland die Steuer erhöht worden? Mehrwertsteuer zählt nicht…

Geschrieben von gitarrengott

16. Mai 2009 um 9:04

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Man fasst es kaum…

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…aber auch die Süddeutsche schafft es ab und an noch, einen guten Artikel zu veröffentlichen – man muss ihn dann auf der mittlerweile völlig mit Werbung zugepflasterten Seite nur noch finden…   Bosbach muss man übrigens noch mit seinem Nachsatz zitieren, damit man versteht, warum jemand wie er eine Gefahr für die Freiheit der Bürger ist: Er sagte, „Tötung simulieren, blabla [Killerspiele, Mordsimulationen, Schach] … und es ist nicht einzusehen, warum der Staat so etwas erlauben sollte.“

Tata! Der Staat muss es erlauben! Bitte nicht glauben, dass das bei Bosbach nur unsaubere Wortwahl ist – der Mann ist Überzeugungstäter. Nicht der Staat braucht gute Gründe, um erwachsenen, mündigen Bürgern einen letztlich harmlosen Freizeitspaß zu verbieten, nein, er muss es erstmal erlauben, und um das nicht zu tun, reicht eine blasse Analogie zu echtem Totschießen auch schon aus.

Nicht falsch verstehen: Ich laufe am Wochenende nicht im Tarnanzug mit einer Farbballpistole durch den Wald – soviel Freizeit hab ich gar nicht! Und man kann Gotcha gerne völlig bescheuert finden, daraus folgt aber nicht das man es verbieten müsste oder sollte. Was erwachsene Leute in ihrer Freizeit treiben geht den Staat gelinde gesagt einen feuchten Dreck an, so lange dadurch nicht schützenswerte Interessen anderer beeinträchtigt werden. Und Bosbachs Sinn für Spieleästhetik ist so bedeutsam nicht.

Letzten Endes offenbart die Denke Bosbachs aber einen politischen Konsens fast aller Parteien – dass man als Staat einen allgemeinen Erziehungsauftrag für die Bürger hat und „schädliche Neigungen“ bekämpfen darf und muss. Und während es im letzten Jahrzehnt zeitweise so aussah, als hätte sich die Politik zu einem liberaleren Staatsverständnis bekehrt, schlägt das Imperium nun mit voller Macht zurück, auch wenn es dabei in Symbolpolitik stecken bleibt. Gegen Amokläufe hilft kein Paintballverbot, gegen Kindesmissbrauch keine DNS-Sperren und gegen Komasaufen keine niedrigeren Promillegrenzen – einfache Erkenntnisse, gegen die die verantwortlichen Politiker sich mit aller Macht sträuben, weil sie sonst eingestehen müssten, das wahrscheinlich weder Amokläufe noch Missbrauch durch den Staat wirksam und dauerhaft verhindert werden kann. Gleichzeitig versagt man auf beinahe allen Gebieten, wo der Staat in der Pflicht wäre, zu handeln, und wo auch tatsächlich eine Verbesserung möglich wäre: Kinder- und Altersarmut, Bildungsungerechtigkeit und Krankenversicherung mal nur als Beispiel. Aber es ist halt einfacher, ein paar Leuten ihren ohnehin schon nur auf umzäunten Privatgeländen erlaubten Spaß zu nehmen, als sich mal ernsthaft mit dem Verband der privaten Krankenversicherungen anzulegen. Und so droht die Politik gebährdenreich weiter dem Schatten und macht ansonsten auf Hasenfuß.

Geschrieben von gitarrengott

12. Mai 2009 um 11:34

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