Gitarrengott's Weblog

Gegen Alltag und Wahnsinn gleichermaßen

Wirtschaftskrise

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Ja, die Wirtschaftskrise.

Schon schlimm, wenn das Kapital optimaler Verwertungsmöglichkeiten beraubt ist. Beinahe täglich weine ich ein bißchen, wegen all der braven Leute, die 10% Rendite erwartet haben und jetzt gar nix mehr haben…

Aber sei es drum. Ein Effekt der Wirtschaftskrise wird in Deutschland noch nicht wirklich bedacht: Die weitere, dauerhafte Schwächung der Inlandsnachfrage und die zunehmende Verschuldung der Bevölkerung. Hä?, hör ich da so manchen fragen. Deutschland ist doch eine Nation von Sparern! Klar, stimmt schon – aber eben nur, wenn man die gesamte Bevölkerung betrachtet. Man muss jedoch schon zu den 30% der vermögenden Haushalten gehören, um statistisch betrachtet nicht verschuldet zu sein. 70% der Bevölkerung sind verschuldet und sparen gar nichts mehr. Weil sie nicht können. Wer sich heute etwas leisten will, muss einen Kredit aufnehmen. Die im Moment so gerne als stabilisierendes Element gepriesene Inlandsnachfrage, die in der BRD ohnehin schon ziemlich im Arsch ist nach Jahren der Lohnzurückhaltung, ist zu einem großen Teil auf Pump finanziert. Für die an Refinanzierungsnot, nicht jedoch an Liquiditätsmangel leidenden Banken ist das natürlich gut. Es verschärft jedoch langfristig das Problem der ungleichen Vermögens und Einkommensverteilung in unserem schönen Lande.

Bisher hat in der Politik anscheinend niemand dieses Problem erkannt. Die Abwrackprämie ist das einzige Instrument, das einen direkt nachfragesteigernden Effekt auf Verbraucherseite hat – und das auch nur bedingt, denn eventuell fehlende Finanzmittel werden gerne auf Pump finanziert. Mittlerweile hat die Verschuldung der vermögens- und einkommensschwachen Schichten bedenkliche Ausmaße angenommen. Getan wird leider nix.

Ich sag mal so: Spitzensteuersatz rauf, Progression abflachen, Vermögenssteuer wieder einführen, Erbschaftssteuer rauf.

Warum?

Weil der Spitzensteuersatz mit 45% definitiv zu wenig ist. Und er wird zu früh erreicht: Schon bei 60.000 € Jahreseinkommen muss ein Alleinverdiener den Spitzensteuersatz zahlen – nicht falsch verstehen: Das ist ein sehr gutes Einkommen. Aber eben kein Spitzeneinkommen. Effektiv werden richtig hohe Einkommen nicht durchgreifend genug besteuert. Und die mittleren Einkommen durch die steile Progression zu stark in Anspruch genommen.

Die Vermögensteuer schöpft Gewinne dort ab, wo sie entstehen: Der Staat ist verschuldet und ermöglicht nicht zuletzt dadurch die gewinnbringende Anlage überschüssigen Geldvermögens – der Staat bezahlt hier doppelt und tut gut daran, der exzessiven Ausnutzung dieses Effekts den Riegel vorzuschieben.

Und Erbschaftssteuer – herrje. Warum etwas umsonst bekommen, für das man keinen einzigen Streich gearbeitet hat? Mal abgesehen davon, das die Erben großer Vermögen ohnehin schon ein entspannteres Leben hatten, als die, die nur ein überschuldetes Reihenhäuschen auf dem Erbschein stehen haben.

Guten Abend.

Geschrieben von gitarrengott

28. April 2009 um 9:14

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