Archiv für April 2009
Wirtschaftskrise
Ja, die Wirtschaftskrise.
Schon schlimm, wenn das Kapital optimaler Verwertungsmöglichkeiten beraubt ist. Beinahe täglich weine ich ein bißchen, wegen all der braven Leute, die 10% Rendite erwartet haben und jetzt gar nix mehr haben…
Aber sei es drum. Ein Effekt der Wirtschaftskrise wird in Deutschland noch nicht wirklich bedacht: Die weitere, dauerhafte Schwächung der Inlandsnachfrage und die zunehmende Verschuldung der Bevölkerung. Hä?, hör ich da so manchen fragen. Deutschland ist doch eine Nation von Sparern! Klar, stimmt schon – aber eben nur, wenn man die gesamte Bevölkerung betrachtet. Man muss jedoch schon zu den 30% der vermögenden Haushalten gehören, um statistisch betrachtet nicht verschuldet zu sein. 70% der Bevölkerung sind verschuldet und sparen gar nichts mehr. Weil sie nicht können. Wer sich heute etwas leisten will, muss einen Kredit aufnehmen. Die im Moment so gerne als stabilisierendes Element gepriesene Inlandsnachfrage, die in der BRD ohnehin schon ziemlich im Arsch ist nach Jahren der Lohnzurückhaltung, ist zu einem großen Teil auf Pump finanziert. Für die an Refinanzierungsnot, nicht jedoch an Liquiditätsmangel leidenden Banken ist das natürlich gut. Es verschärft jedoch langfristig das Problem der ungleichen Vermögens und Einkommensverteilung in unserem schönen Lande.
Bisher hat in der Politik anscheinend niemand dieses Problem erkannt. Die Abwrackprämie ist das einzige Instrument, das einen direkt nachfragesteigernden Effekt auf Verbraucherseite hat – und das auch nur bedingt, denn eventuell fehlende Finanzmittel werden gerne auf Pump finanziert. Mittlerweile hat die Verschuldung der vermögens- und einkommensschwachen Schichten bedenkliche Ausmaße angenommen. Getan wird leider nix.
Ich sag mal so: Spitzensteuersatz rauf, Progression abflachen, Vermögenssteuer wieder einführen, Erbschaftssteuer rauf.
Warum?
Weil der Spitzensteuersatz mit 45% definitiv zu wenig ist. Und er wird zu früh erreicht: Schon bei 60.000 € Jahreseinkommen muss ein Alleinverdiener den Spitzensteuersatz zahlen – nicht falsch verstehen: Das ist ein sehr gutes Einkommen. Aber eben kein Spitzeneinkommen. Effektiv werden richtig hohe Einkommen nicht durchgreifend genug besteuert. Und die mittleren Einkommen durch die steile Progression zu stark in Anspruch genommen.
Die Vermögensteuer schöpft Gewinne dort ab, wo sie entstehen: Der Staat ist verschuldet und ermöglicht nicht zuletzt dadurch die gewinnbringende Anlage überschüssigen Geldvermögens – der Staat bezahlt hier doppelt und tut gut daran, der exzessiven Ausnutzung dieses Effekts den Riegel vorzuschieben.
Und Erbschaftssteuer – herrje. Warum etwas umsonst bekommen, für das man keinen einzigen Streich gearbeitet hat? Mal abgesehen davon, das die Erben großer Vermögen ohnehin schon ein entspannteres Leben hatten, als die, die nur ein überschuldetes Reihenhäuschen auf dem Erbschein stehen haben.
Guten Abend.
Herzschn Grunsch!
Rassismus per se
… droht ja auch durch solche Kasperltheater wie die Anti-Rassismuskonferenz in Genf völlig zum Nullbegriff zu werden, zu einer Worthülse, die man beliebig mit jedem Inhalt füllen kann.
Die Entwicklung des Begriffs „Rassismus“ hängt eng mit der Rassenlehre im 19. Jahrhundert zusammen. Damals war man der Meinung, die Menschheit teile sich in verschiedene Rassen auf (mindestens 3, am beliebtesten: 5), denen von Geburt an qua Vererbung bestimmte Merkmal anhafteten, die unauslöschlich seien. Das galt im positiven wie im negativen.
Nun ist es sinnlos, die Verwendung des Rassismubegriffs auf solche Fälle zu beschränken, wo jemand meint es sprängen auf der Welt Rote, Gelbe, Schwarze und Weiße durch die Gegend. Die Nazis haben die Juden auch als eigene Rasse begriffen – deswegen war es auch nicht möglich, sich durch Konversion dem Hass der Nazis zu entziehen; eben weil der Jude von Geburt an Jude ist, musste er vernichtet werden, denn der Jude ist verlogen und strebt zwanghaft nach der Versklavung aller anderen Menschen. Insofern hat der Antisemitismus der Nazis eine urwüchsig rassistische Komponente. Das heißt freilich nicht, dass der Antisemitismus ein Unterfall des Rassismus wäre – eine eingehende Erläuterung würde jedoch zu weit führen, sorry.
Auch der Hass von Islamisten auf den Westen ist nicht an sich rassistisch, er kann es sein, er muss aber nicht. Vielmehr ist es reiner Kulturchauvinismus: Die überlegene Kultur der islamischen Welt (bei der jeder mitmachen darf) kämpft gegen den dekadenten Westen (der ja zu allem Überfluss noch schwul und verjudet ist). Der Islamismus ist als universelle Ideologie gerade so gefährlich.
Vermischt man sämtliche Gründe, aus denen es Menschen möglich ist, andere Menschen nicht zu mögen und nennt was hinten rauskommt dann stumpf „Rassismus“, bringt man die Menschheit kein Stück weiter. Begriffe sind dazu da, etwas möglichst genau zu bezeichnen. Und Rassismus meint die Ablehnung anderer aufgrund ererbter, unabänderlicher Merkmale bestehende Andersartigkeit und sonst gar nichts. Es ist eben nicht die „Islamophobie“ das heute häufigste Erscheinungsbild des Rassismus, wie der türkische Vertreter bei der Israelverdammungsveranstaltung in Genf meinte. Wer den Islam nicht mag ist im schlimmsten Fall ein Chauvinist, und damit habe ich noch nichts über dessen Gründe gesagt.
Begriffe sollte man – zumindest in einem ernsten Kontext – nicht leichtfertig sinnentstellend verwenden. Sonst wird Kommunikation irgendwann unmöglich. Es muss eben immer möglich sein, einen großen, stinkenden braunen Haufen als Scheiße zu bezeichnen. Wenn man das Ding Schokopudding nennt, schmeckt es eben immer noch… genau.
Durban II – eine Posse und ihre Opfer
Heute mal 2 Artikel, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.
Zum ersten:
Dieser Beitrag auf lizaswelt fasst in Worten, die eigentlich jeder verstehen sollte, zusammen, was an der Durban II-Konferenz so furchtbar und so lachhaft ist.
Und dieser hier ist von einer kompetenten Dame von Human Rights Watch für die Tagesschau zusammengeschmiert worden, und führt nochmal instruktiv vor Augen, wie beschränkt manch einer wirklich ist. Ahmadinedschad – israelkritisch eingestellt? So wie die Nazis judenkritsch waren und der KuKluxKlan negerkritisch?
Post-Rock, Post-Metal-Post
Eigentlich, eigentlich sollte das hier ja mal hauptsächlich ein Musikblog werden. Das ist leider mal schön in die Büchs gegangen. Aber so ganz lassen mag ich dann doch nicht:
Ich mag ja alles, was „Post“ im Namen hat. Post-Rock beispielsweise. Selbst spielen eher nicht, ich finde es wahnsinnig anstrengend: In den ersten 10 Minuten eines Songs darf man nur drei Töne pro Minute spielen (Delay: langsam und lang), später muss man dann in einem irrsinnigen Tempo auf die Saiten einschwingen (Delay: schnell und lang, Reverb: am besten Church, langes Decay, unbedingt pre-dirt!). Sehr unangenehmes Anforderungsprofil, erst fast einschlafen und dann bei Bühnentemperatur (45°+) wie ein Berserker klampfen, dazu bin ich zu indolent. Aber hören, klar, gerne.
Jetzt gibt es ja einen ganzen Sack voll guter Post-Rock-Bands: This will destroy you, Mogwai, Jakob, Mono etc.pp. Mittlerweile wird es für viele Bands schwer, mehr zu sein als ein Klischee, deswegen weicht das Genre bereits kurz nach der Verfestigung schon wieder auf: Selbst die prinzipiell eher weicheiigen Explosions in the Sky stemmen schon mal ein härteres Riff am Anfang (!) eines Songs, und liegen damit voll im Trend: Es scheint eher härter zu werden. Trendsetter war hier wohl die Kapelle Russian Circles, die eher aus der Metalecke kommen und auch weiter das eher harte Brett pflegen und von dort auch die genreübliche Virtuosität mitgebracht haben. „Station“ ist eine der geilsten Platten der letzten Jahre, hands down!
Stichwort „Metal“: genauer gesagt Post-Metal. Den gibt es auch, er teilt sich mit Post-Rock nicht nur das Präfix. Die Lieder sind meist lang. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf. Post-Metal folgt nicht der für Post-rock meist typischen Steigerungsarithmetik. Gesang ist nicht verpönt, bewegt sich vielmehr in Hardcore-lastigen Gefilden, also eher Geschrei als Gegrunze oder Eunuchengesang. Beispiele: Cult of Luna, Isis, A Storm of Light, Mouth of the Architect.
Aufpassen muss man bei den Post-Genres nur bei Post-Hardcore: Das gibt es schon seit den frühen Achtzigern und meint Bands, die eher das machten, was später als Grunge und Crossover berühmt werden sollte.
Israel, um Himmels Willen
Nach einer langen, arbeitsbedingten Pause sind freilich die Zugriffe, die hier auf mein Blog stattfinden von fast gar nichts auf tatsächlich nichts gesunken: mal wieder was zur Gesamtsituation.
Ich habe zum Thema Nahostkonflikt – eine Bezeichnung, die mehr verschleiert als enthüllt – mich in letzter Zeit allen Äußerungen enthalten. Und das nicht, weil ich nichts zu sagen gehabt hätte, sondern weil mir mittlerweile jedes Wort zu viel ist. Ich werde zukünftig Antisemiten höchstens noch in die Fresse hauen, aber nicht mehr mit ihnen diskutieren. Es bringt einfach nichts.
Wer in den letzten Monaten, egal um was es im Konkreten ging,ob Krieg oder Knessetwahl, irgendetwas zum Thema Israel gelesen hat, weiß, was ich meine. Geht man bei solchen Artikeln in die Kommentarzeile oder das zugehörige Forum, kommt das ewig gleiche widerliche Pack aus der Ecke gekrochen. Mit den ständig gleichbleibenden „Argumenten“, die nichts als dreiste Lügenvon solcher erbarmungloser Dummheit und Unwissenheit sind, dass man kaum noch weiß, was man darauf entgegenen soll.
Irgendwann musste ich einfach feststellen, dass es kein Mangel an Information ist, den man beheben kann – weil es diese Leute nicht wollen. Sie wollen nicht aus ihrem Wolkenkuckucksheim heraus, in dem der Jud so praktisch Böse ist, der Araber der brave Schafhirte, der nur aus schierer Verzweiflung zur Waffe greift.
Sie wollen nicht mehr darüber wissen, sie wollen nicht darüber nachdenken und sondern deswegen immer wieder die gleichen Sprechblasen ab, ob es passt oder nicht , völlig egal – es entlastet und entspannt, wenn man nach Feierabend im Forum von Spiegel Online dem Jud nochmal so recht eins überziehen kann, danach schläft es sich ruhig und gemütlich: Weil man ja den Durchblick hat und gerecht ist, gegen das Finanzkapital, gegen Rassismus, gegen Islamophobie und den amerikanischen Imperialismus.
Eine heile, kleine Welt, in der der notorische Dummkopf auch endlich mal dumm sein darf und sich nicht verstellen muss, denn hier ist er unter seinesgleichen, überall Freunde. Da können sie die Seele baumeln lassen und merken, dass sie nicht alleine sind. Und da freuen sie sich und legen auch gerne nochmal eine Schippe drauf. Sowas wird dann gerne „zensiert“, wobei die Betreiber hier den erhitzten Antisemiten wohl eher strafrechtliche Konsequenzen ersparen wollen. Aber auch über sowas regt sich der Mob dann gemeinsam im selben Forum auf – wer Ironie findet, darf sie gerne behalten, ihr ein Kleid anziehen, sie großziehen und dann auf dem Palästina-Hilfe-Portal wieder auswildern.
Sei es wie es ist: Mit den echten Antisemiten kann man nicht diskutieren. Wenn ich die Tage mal Muße habe, erstelle ich einen Atisemiten-Phrasendrescher – Moment, vielleicht sind das keine Menschen, sondern Blogroboter? Wäre das möglich?
Fast hoffe ich, dass es wahr wäre…
