Archiv für Juni 2008
Die EM, die Fähnchen und der ganze Rest
Grade eben diskutieren im Presseclub berufene Edelfedern wie Helmut Markwort über die Doitschen und den Fußball. Das Niveau der ganzen Chose bewegt sich etwa auf dem, was man in den letzten Wochen aus Waldis EM-Club gewohnt ist.
Grade hat der dicke Hofjournalist – so empfinde ich seine physische Präsenz und seine beruflichen Fähigkeiten – eine Sache auf den Punkt gebracht: Er meint nämlich, das Tolle am Fußball und am public viewing sei ja, das dort alle zusammen kämen, der Unterschichtler, der Oberschichtler, der Mittelschichtler, und alle würden sich gemeinsam freuen und die Fahne schwenken und etwas Verbindendes haben.
Toll, Markwort müsste jetzt nur noch kapieren, warum ich als Antinationalist genau diese adhäsive Kraft des Nationalismus, die den ganzen Saftladen im Inneren zusammen halten soll, zum Kotzen finde, meine Sympathien vor einem großen Fußballturnier stets nicht der deutschen Nationalmannschaft gelten und ich mir inständigst wünsche, dass die im bisherigen Turnier eine ganz und gar widerlichen Fußball zeigende Gurkentruppe heute von den Spaniern eine schöne Packung bekommt.
Es gibt keine Gefälligkeitsjustiz in Deutschland
Außer vielleicht in Hessen. Wie würden Sie diese Sätze verstehen: „(1) In allen öffentlichen Grund-, Mittel-, höheren und Hochschulen ist der Unterricht unentgeltlich. Unentgeltlich sind auch die Lernmittel mit Ausnahme der an den Hochschulen gebrauchten. Das Gesetz muß vorsehen, daß für begabte Kinder sozial Schwächergestellter Erziehungsbeihilfen zu leisten sind. Es kann anordnen, daß ein angemessenes Schulgeld zu zahlen ist, wenn die wirtschaftliche Lage des Schülers, seiner Eltern oder der sonst Unterhaltspflichtigen es gestattet.
(2) Der Zugang zu den Mittel-, höheren und Hochschulen ist nur von der Eignung des Schülers abhängig zu machen.“
Manche Menschen verstehen dies so, dass das Studium doch für jeden etwas Kosten darf, wenn im Gegenzug einkommensunabhängig so genannte Bildungsdarlehen vergeben werden. Das ist zwar nur möglich, wenn man mutwillig sich einen Knoten in die Hirnwindungen denkt, aber gut.
Gestern hat der Hessische Staatsgerichtshof entschieden, dass es OK ist, verknotete Hirnwindungen zu haben. Die Entscheidung fiel knapp aus, mit 6:5. Der vorsitzende Richter befand sich auf Seiten der Minderheit, weswegen das Urteil von Karin Wolski, Richterin und CDU-Mitglied mit nicht ganz tadellosem Leumund, vorgetragen wurde.