Archiv für April 2008
Wie weit muss es noch kommen?
Gestern musste man als Sozi mal wieder ganz, ganz stark sein:
Bei Anne Will saß Thilo Sarrazin, der vor einiger Zeit schon mal vorgemacht hat, wie man Leben mit Überleben verwechseln kann und das dann von der Presse kaum bemerkt wird. Es fehlt halt an Menschen, die etwas abstrakter zu denken vermögen. Dieser „Sozialdemokrat“ überholte den ebenfalls anwesenden Karl-Joseph Laumann mit Standgas auf der rechten Spur.
Peinlich, peinlich. Und hier hilft es nicht weiter, auf Berlins angespannte Haushaltslage zu verweisen. Für sowas gibt es meiner Meinung nach keine Entschuldigung. Solange es die SPD nicht schafft, in der Öffentlichkeit konsequent wieder anders als in den letzten 9 Jahren wahrgenommen zu werden, wird sich auch in der Wählergunst nichts bewegen. Aber diese schlagende Erkenntnis ist scheinbar noch nicht zu jedem durchgedrungen – wir haben viel über das taktische Verhältnis der Parteien zur Wahrheit gehört. Wie schaut es aus mit dem taktischen Verhältnis zur Gerechtigkeit?
So was…
Bitte entsorgen.
Die Diskussion über die Beteiligung der Linken an der Regierung in Hessen, oder die Tolerierung einer SPD-geführten Regierung durch die Linke, war an geistiger Bräsigkeit nicht zu überbieten. Mir ist es aber jetzt nicht daran gelegen, hier noch mal ins Detail einer Debatte von gestern einzusteigen. Man sollte aber mal kurz darüber nachdenken, ob bei einem Mandatsträger nicht alle Alarmglocken zu schrillen Anfangen sollten, wenn man vom politischen Gegner in den höchsten Tönen für Mut und Standfestigkeit gelobt wird. Nun, Frau Metzger hat den Schuss anscheinend nicht gehört, mit dem Ergebnis, dass Hessen immer noch von Scarface und seiner Gang regiert wird. Und die scheren sich trotz vorheriger Bekundungen, man sei sich bewusst, nur kommissarisch im Amt zu sein, erstmal nicht darum, Parlamentsbeschlüsse umsetzen. Wo bleibt das Geplärre nach Redlichkeit, wenn man es wirklich braucht? Und wie kommt man dazu, Regierungsbildungen auf Grundlage einer aktuellen Meinungsumfrage als zulässig oder nicht zu behandeln?Die Dummheit brummt, man muss nur dem Geräusch nach gehen…
Man sollte sich auch fragen, ob man sich von Menschen wie Johannes Kahrs Belehrungen erteilen lassen will. Jemand, der in einer christlich-konservativen Verbindung aktiv war, gerne für Spenden die Hand aufhält, so lange sie von der Rüstungsindustrie kommen und bisher hauptsächlich dadurch aufgefallen ist ist, dass er nachts bei einer Jungsozialistin angerufen hat? Ich weiß ja nicht so recht.
Nur mal so.
Außerdem prophezeie ich eine hessische Regierung mit Koch als Ministerpräsidenten in den nächsten drei Monaten, und zwar schwarz-gelb-grün. Man wird sehen.
Ein ganz normaler Tag in Deutschland
Donnerstag vormittag im Aldi. Ich versenke mich gerade in die Frage, ob ich wieder rote oder doch mal zur Abwechslung weiße Zwiebeln kaufen soll. Ein Mann tritt an die Kartoffelauslage heran und prüft grummelnd das Angebot. Er scheint mir eher zu den festkochenden Kartoffeln zu neigen, nimmt einen Beutel hoch, begutachtet ihn und stößt aus „Die sind ja aus Israel!“ Wohlgemerkt, die Kartoffeln bei Aldi sind wie vieles andere Gemüse und Obst ziemlich häufig aus Israel. Er beginnt hektisch in den Pappkartons zu wühlen. „Auch aus Israel, alle aus Israel!“ Die Entrüstung ist ihm langsam anzumerken. Zu seiner Frau gewandt: „Sind alles Judenkartoffeln hier!“ Danach marschiert er schnurstracks zur Kasse – ohne Kartoffeln.