Denkfehler
Beim entspannten Stöbern in den Weiten des WWW stieß ich kürzlich auf einen interessanten Artikel, der sich mit dem Wahn der Linken in den 70ern beschäftigt, die RAF-Mitglieder würden in bundesdeutschen Gefängnissen systematisch gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen. Der Aufsatz ist etwas länger, lohnt sich jedoch zu lesen.
Das Thema ist ein gutes Beispiel dafür, wie es in der Linken der späten 60er bis in die 80er hinein aus einem Gemisch aus Wut, unzulänglicher Information und unerträglicher Projektion zu einer kompletten Wendung „linker“ Werte kam. Wer in der Bundesrepublik der 70er, die von einer Koalition aus SPD und FDP sozialliberal regiert wurde, einen Wiedergänger des Dritten reiches zumindest ansatzweise zu erblicken glaubte, wer meinte, der von staatlicher Seite eher hilflos geführte Stammheimer Prozess gegen die Baader-Meinhof-Bande lasse Freislers Volksgerichtshof wiederauferstehen, und wer glaubt, der selbstgewählte Hungertod eines Holger Meins bereite systematische Vernichtung in Form eines zweiten Auschwitz vor – bei dem musste einiges schief gegangen sein.
Man könnte aus der Erkenntnis, die man hoffentlich nach der Lektüre des Artikels gewonnen hat, Schlüsse ziehen auf andere Bereiche des linken Selbstverständnisses, das heute ähnlich deformiert daherkommt, wie z.B. das völlig verkorkste Verhältnis zu Staat und Nation einerseits und dem Standpunkt zu Israel andererseits. Oder es könnte helfen zu begreifen, warum die Linke in weiten Teilen unfähig ist, Konflikte zu verstehen und lieber behauptet, es gäbe keine. Ich will mich heute mal kurz auf die Geschichte mit der Roten Armee Fraktion beschränken.
1. Die RAF war meiner – zugegeben radikalen – Meinung nach schon gar kein linkes Projekt. Der Ursprung liegt eher in der Person Baaders, der genausogut in der SA hätte sein können, wäre er ein paar Jahre früher geboren. Vermutlich hätte er die Lust daran aber verloren, als die Nazis an die Macht gelangten.
Ulrike Meinhofs aus heutiger Sicht unerträgliches Geschwafel, die intellektuelle Selbstgefälligkeit, mit der sie ihren Jargon vortrug und die Dürftigkeit ihrer Thesen und ihres Schaffens wirken absurd, und es lässt sich erkennen, dass sie entweder das, worauf sie sich berufen wollte nicht verstanden hatte, oder nicht in der Lage war, es halbwegs verständlich auszudrücken. Ich tendiere eher dazu, ersteres anzunehmen. Adorno hat vermutlich im Grabe rotiert, als es die Meinhof schaffte, noch nicht mal 30 Jahre nach dem Holocaust dem Judenmord auf deutschem Boden wieder etwas positives abzugewinnen.
Dass man den Sermon, den die Mitglieder der RAF insgesamt im Laufe der Zeit von sich gaben, für originär links und die RAF für eine linke Gruppierung hält, ist mir unbegreiflich. Wären sie links, hätten sie sich zumindest mit den Voraussetzungen der Revolution, die sie anzetteln wollten, beschäftigt. Und der deutsche Arbeiter baute Eigenheime, kaufte Autos, war in der Gewerkschaft (welche von der RAF aus gutem Grund gar nichts hielten) und hatten das Gefühl, eine Regierung zu haben, die sich ihrer Interessen annahm. Dass das arbeitsscheue Haschgesindel von der RAF das beinahe bis zum Schluss nicht einsehen wollte, hat mit der Verlängerung eines Lifestyles mehr zu tun als mit heroischem Widerstand.
2. Der Stammheimer Prozess, bei dem sich der Rechtsstaat von den Angeklagten an der Nase herumführen ließ und darauf reagierte wie ein kopfloses Huhn, war in keinster Weise ein Schauprozess. Freilich hat sich der Staat damals nicht mit Ruhm bekeckert, die ständigen Änderungen der StPO und die Abhöraffäre legen davon Zeugnis ab. Gerade erstere sind aber ein gutes Beispiel dafür, wie die RAF langfristig der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit geschadet hat: Hätten die Angeklagten, ihre Verteidiger und Unterstützer für einen Moment ihr eigenes wahnhaftes Weltbild hinterfragt, und hätten sich von Anfang an anders präsentiert und verhalten, wäre keine der Änderungen erfolgt und wäre demnach nicht auch heute noch in Kraft. Die Verteidiger, die Kassiber raus- und Waffen reinschmuggelten in den „Hochsicherheitstrakt“, hatten sich zu Komplizen ihrer Mandanten gemacht, und es ist ein Treppenwitz der Historie, dass gerade Otto Schily als Innenminister… Anderes Thema.
Will irgendjemand bestreiten, dass die Angeklagten die Ihnen zur Last gelegten Taten begangen hatten? Und wer ist tatsächlich der Meinung, ein völkerrechtliches Widerstandsrecht aus dem Vietnamkrieg herleiten zu können? Aber so war es eben, Baader, Meinhof, Ensslin und die Anderen gefielen sich erst in Ihrer Rolle als halbstarke Che Guevaras und hielten dann nichtmal ein paar Jahre Kuschelhaft in Stammheim aus.
3. Am bizarrsten wird, was damals vor allem in vom gerade seinen 80sten Geburtstag feiernden Enzensberger herausgegebenen „Kursbuch“ erschienen, wenn es um die Haftbedingungen in Stammheim geht. Isolationsfolter, Vernichtungshaft, Auschwitzvergleich, da fehlte nichts.
Nachträglich legitimierte der linke Geist seine Sympathie für schnöde Verbrecher über den Hass auf das „Schweinesystem“, dessen häßliche Fratze man nun demaskiert glaubte. Ich bestreite nicht, dass vor allem Meinhofs Haftbedingungen zu Anfang im „Toten Trakt“ der JVA Köln rechtsstaatlich mehr als fragwürdig waren (hier knüpft der oben verlinkte Artikel wieder an). Die Haftbedingungen in Stammheim waren dann jedoch so lax, dass vor allem Baader und Ensslin während der Haftzeit über Kassiber einerseits, als auch über direkte Gespräche mit anderen Inhaftierten RAF-Mitgliedern die zweite Generation mit aufbauen konnten.
Und Holger Meins? Fanatisch bis in den Tod, gefolgsam gegenüber Baader, welcher, während sein Mitstreiter Meins sich gerade zu Tode hungerte und täglich die Tortur der Zwangsernährung (ein kleiner, feiner Unterschied zu der Behandlung von KZ-Insassen könnte das schon sein, gell) über sich ergehen ließ, vom Herrn Verteidiger mitgebrachte halbe Hähnchen verspeiste. Tragisch, die ganze Geschichte, tragisch der Tod von Holger Meins, aber hat die Linke damals was daraus gelernt? Nein, man gab alle Schuld dem Staate. Systematisch ähnelt dieser konsequente Schuldmechanismus dem, den viele heute gegenüber Israel anwenden.
So, und jetzt ist erstmal Feierabend.
Pack bleibt eben Pack
Die Antisemitischeimperialistische Linke hat wieder zugeschlagen.
Ich enthalte mich jeden Kommentars, jedes Wort ist doch verschwendet an die strunzdumme Bagage.
Ich hoffe nur, dass das Dreckspack bei nächster Gelegenheit mal so richtig zusammengestiefelt wird, denn das haben sie sich redlich verdient.
Die grünen F*tzen
„Man wird den Eindruck nicht los, dass sich manche der Frauen unter ihnen extra freuen, weil sie endlich wieder Fotzen genannt werden können, ohne es dem Mann verbieten zu müssen.“
Wahre Worte
„Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu
ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“
(Max Goldt über ‘Bild’)
Schreibt Euch das mal hinter die Ohren, ihr „ich-les-doch-nur-den-Sportteil“-Heuchler!
